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Burnout: Das Phänomen und seine Entstehung

 

Kaum ein anderes Wort hat es uns so angetan wie das Wort „Burnout“. Vom einstmaligen Tabu hat sich die Diagnose der Erschöpfungsdepression bis hin zur Salonfähigkeit gemausert. Mittlerweile wird sie nicht nur vom Fachmann, sondern gerne auch vom interessierten Laien gestellt. Und zwar für so ziemlich jeden. Denn wie wir alle wissen, ist Erschöpfung ein Zeichen von zu viel Stress.

Das bedeutet, der Betroffene ist dabei, die vielfältigen Anforderungen der heutigen Gesellschaft annähernd zu meistern, verspürt aber mittlerweile eine deutliche Überforderung bei eben dieser Aufgabe. Seine vorhandenen Ressourcen reichen also zur zufriedenstellenden Bewältigung offenbar nicht mehr aus. Der Betroffene bemerkt ein Defizit, was sich vielseitig erlebbar macht. So sind sowohl auf emotionaler als auch mentaler und körperlicher Ebene diverse Veränderungen zu bemerken.

Dabei war die Aufgabe, die jetzt die Überforderung auslöst, ursprünglich meist eine sehr beflügelnde und ausfüllende Tätigkeit. Zu gerne vergessen wird nämlich, dass das Phänomen Stress nicht nur einen negativen Beigeschmack hat. Im Gegenteil: Stress ist ein körperlicher Vorgang, der notwendig ist, um uns in einen Aktionsmodus zu versetzen und damit die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt erst arbeits- oder handlungsfähig werden können. Der österreichisch- amerikanische Mediziner und Biochemiker  Hans Selye, 1957, unterschied erstmals zwischen positivem, dem so genannten „Eu-Stress“ (eu= griechisch für „gut“) und dem negativen Stress, dem so genannten „Dysstress“ (dys= griechisch für schlecht).

So wird Stress zum Beispiel als positiv, quasi als nicht-stressig, empfunden, wenn wir durch eine bestimmte Aufgabe herausgefordert werden, die uns Spaß macht und beispielsweise Ergebnisse und/ oder Belohnung einbringt.

Das können die anstrengenden Vorbereitungen für die lang ersehnte Fernreise ebenso sein wie das aufwendige Zubereiten des Lieblingsessens des Partners unter Zeitdruck.

Als „stressig“ hingegen werden gemeinhin Situationen empfunden, in denen uns Kontrolle und Handlungsspielraum eingeschränkt bzw. entzogen werden, oder es sich zumindest für uns so anfühlt. Das Empfinden von Stress ist also hochgradig individuell. So fühlt sich der eine zum Beispiel in Überforderungssituationen auf der Arbeit oder zu Hause gestresst, der andere durch finanzielle Unsicherheit und der Nächste einfach „nur“ aus der Befürchtung heraus, nicht gut genug zu sein. Je nach Persönlichkeit, Einstellung, Lebenserfahrung, etc., werden die Situationen als bedrohlich eingestuft (Transaktionsmodell nach R. Lazarus, 1984) und wir empfinden Stress.

Dass in Stresssituationen Energie für Flucht oder Kampf mobilisiert wird, ist mittlerweile allgemein bekannt. Ebenso, das die Köperreaktion für eine entsprechende Energiebereitstellung sorgt, indem sich ein präzise abgestimmter Hormoncocktail in’s Blut ergießt. Nach der Reaktion der Anspannung tritt normalerweise auch wieder eine Phase der Entspannung ein. Die Gefahrensituation ist überstanden und der Körper kann in eine wohlverdiente Regenerationspause umschalten. Hierzu gibt der Körper wieder die entsprechenden Signale, um die Hormonausschüttung der verschiedenen Organe zu minimieren. Andere wichtige Bedürfnisse wie Essen, Ausscheidung und Schlaf sollten jetzt eigentlich im Vordergrund stehen. Theoretisch.

Und genau an diesem Punkt wird es kritisch: missachten wir nämlich unsere körperlichen Grenzen, indem wir sie nicht wahrnehmen und permanent übertreten, hat der Körper keine Regenerationszeit. Energiereserven können nicht wieder aufgeladen und Hormonausschüttungen nicht angemessen angeglichen bzw. resorbiert werden, wenn wir permanent auf Hochtouren laufen. Muskeln, Gelenke und Halteapparaturen finden nicht oder nur unzureichend wieder in ihre physiologische Ausgangsposition. Dies bemerken wir spätestens wenn sie sich durch Verspannungsschmerzen oder Migräne bemerkbar machen. Oder der Körper zu härteren Mitteln greift und uns durch verschiedene Symptome wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Panikattacken oder gar weitere Krankheitsbilder (beispielsweise Kreislauf-, Magen-Darm- und Stoffwechselkrankheiten, die gerne chronisch werden) verzweifelt um Aufmerksamkeit ruft.

Auf der emotionalen Ebene fallen die Betroffenen zunehmend durch Gereiztheit, Zynismus oder unangemessene Ungeduld auf. Zudem steigt das Bedürfnis nach schneller Belohnung- meist allerdings durch den Konsum von zuckerhaltigen Speisen und Getränken sowie Nikotin und Alkohol.

Pausen, Ausschlafen oder Zeit für die Familie werden selten als Belohnung gesehen sondern eher als Belastung bzw. Hindernis, um die gesteckten (Arbeits-) Ziele zu erreichen. Dieses Verhalten führt eher früher als später dazu, dass das Umfeld entsprechend reagiert und sich von dem Betroffenen zurückzieht, um nicht länger unter seinen Launen

zu leiden.

Wird auch das konsequent übersehen, zieht der Körper aus reiner Selbsterhaltung irgendwann die Reißleine: Erschöpfung macht sich breit und lähmt die Betroffenen förmlich. Meist können sogar einfachste Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden.

Interessanterweise ist Regenerationszeit genau das, was wir der Technik in unserem unmittelbaren Umfeld gleichsam als „natürliches Grundbedürfnis“ bereitwillig zubilligen. Zu wenig Akku auf dem Handy erfordert ein am besten sofortiges Aufladen. Ein PC oder Tablett, das sich wegen Überhitzung ausschaltet, erfährt vollstes Verständnis: ist ja auch logisch, bei der langen Zeit, die es schon ohne Pause in Betrieb ist. Andererseits stößt man mit einer Krankschreibung aufgrund von Erschöpfung auf eher wenig Verständnis von Kollegen und Arbeitgebern. Hier scheint die Logik des Akkuladens nicht ohne Weiteres aufzugehen. Ein dringender Perspektivwechsel ist angebracht. Von der Technik hin zum Menschen.

2019 Vida Alegria  - Alkoholentzug, Alkoholentwöhnung, Alkoholtherapie, Burnout-Hilfe

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