Wissenswertes rund um die Themen Alkohol, Burnout und Regeneration

Teil 2. (Selbst-) Erkenntnis als Burnout-Prävention

Wir wissen bereits, dass Burnout maßgeblich durch unser eigenes Stressempfinden bzw. Stressbewusstsein mit beeinflusst wird. Auch ist bereits bekannt, dass Stress an sich nicht ausschließlich negativ sein muss. Selbst wenn er aus einer negativen Quelle gespeist wird, muss er dennoch nicht zwangsläufig in die Erschöpfungsdepression münden.

Im Gegenteil: besteht die Möglichkeit einer konstruktiven, also zielführenden, Lösung, wie zum Beispiel in einem gemeinsamen Gespräch, kann eine anfangs erst sehr bedrückende Situation im Nachhinein als äußerst befreiend und sogar förderlich für die eigene persönliche Entwicklung erlebt werden. Klingt nach einem erfolgreichen Patentrezept, oder?
Und dennoch scheint es nicht so optimal zu funktionieren. Wäre dem so, dann wären Anwälte, Therapeuten, Ärzte, Schiedsstellen und ganze psychosomatische Einrichtungen quasi überflüssig.

Woran liegt es also, dass wir nicht die naheliegende Lösung der direkten Kommunikation suchen, sondern meistens als typische Reaktionen eher verwirrt in unser „stilles Kämmerlein“ verschwinden oder aber verärgert zu Hause oder beim Arbeitskollegen „motzen gehen“?

Wie kommt es, dass erwachsene und intelligente Menschen in Reaktionsmuster fallen, die auf den ersten Blick eher trotzigen Kindern zugeordnet werden? Dies hängt meistens damit zusammen, dass es neben einem gesunden Problembewusstsein auch eine gesunde Reflektionsfähigkeit braucht, um aus verfahrenen Situationen wieder heraus zu finden. Das bedeutet, dass ich mir selbst und dem Anderen gegenüber zugeben muss, dass ich mit dem Geschehenen nicht zufrieden bin.

Es geht sogar noch einen Schritt weiter. Denn eine Situation lediglich schlecht zu finden und zu kritisieren hilft vielleicht im ersten Moment Dampf abzulassen, sorgt aber nicht für eine angemessene Lösung.

Und es geht auch wieder einen Schritt zurück. Rein symbolisch gesehen. Denn um mir selbst einzugestehen, dass und vor allem warum ich mit einer bestehenden Situation unzufrieden bin, muss ich mir darüber klar werden, was für mich eigentlich Unzufriedenheit bedeutet.

Was löst sie aus? Wo hört mein persönliches Gefühl der Unzufriedenheit auf und wann fängt meine persönliche Zufriedenheit an? Was brauche ich ganz konkret und realistisch gesehen, um zufrieden zu sein?

 

Das hierfür etwas mehr als Nahrung, Kleidung und Co nötig ist, ist bereits ein biblisches Prinzip, wo es heißt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,…“.

Der Psychologieprofessor Klaus Grawe hat hierzu vier hauptsächliche psychologische Grundbedürfnisse herausgearbeitet. Demnach gilt ein Mensch als zufrieden, wenn seine Grundbedürfnisse gestillt sind.

Diese sind neben dem Bedürfnis nach Bindung, nach Kontrolle, Selbstwert sowie Lustgewinnung und Unlustvermeidung.

Etwas genauer: Das Bedürfnis nach Bindung beschreibt das Bedürfnis nach der Nähe zu einer Bezugsperson bzw. der Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Das Kontrollbedürfnis wird dadurch erfüllt, einen möglichst großen Handlungsspielraum zu haben – sozusagen ein Mitbestimmungsrecht im eigenen Leben, welches interessanterweise von sehr vielen Menschen nicht wahrgenommen wird.

Zum Thema Selbstwert sei gesagt, dass es sich hier um das Bedürfnis handelt, sich selber als kompetent, wertvoll und liebenswert zu fühlen.

Um den Selbstwert eines Menschen zu bilden, ist eine liebevolle und wertschätzende Umgebung nötig, die dem einzelnen Menschen etwas zutraut, sozusagen einen Vertrauensvorschuss gibt.

Aber diese Art der Umgebung ist in der heutigen Zeit der Konkurrenzgesellschaft, der Scheidungs- und Patchworkfamilien sowie der befristeten Arbeitsverhältnisse beinahe nur noch mit der Lupe zu finden.

Zu guter Letzt widmen wir uns noch dem Grundbedürfnis nach Lust bzw. Unlustvermeidung. Es handelt sich hierbei um das Bestreben, erfreuliche, lustvolle Erfahrungen zu favorisieren und schmerzhafte, unangenehme Erfahrungen zu vermeiden. Dieses Bedürfnis bezieht sich nicht nur auf die sexuelle Lust bzw. Unlust, sondern tatsächlich auf alles, was Lust macht: Ein anregender Einkaufsbummel, ein spontaner Kurzurlaub (dies kann auch die Fahrt an den nächsten Baggersee oder Strand sein), ein After-Work-Cocktail, Brunchen mit Freunden, … der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Um sich Ihre Bedürfnisse nun praktisch bewusst zu machen, folgen hier ein paar Fragen zur Hilfestellung für Ihre persönliche Selbstreflexion:

  • Was tun Sie für Ihr Grundbedürfnis nach Bindung? Wem fühlen Sie sich zugehörig? Welche Kontakte empfinden Sie als wohltuend?

  • Was tun Sie, um in Ihrem Leben Kontrolle zu erleben? Was tun Sie für Ihr Gefühl der Selbstbestimmung?

  • Was tun Sie für Ihren Selbstwert? Wie bekommen Sie Selbstbestätigung?

  • Was tun Sie für Ihr Lustbedürfnis? Wie gehen Sie mit unangenehmen Erlebnissen um?

Nehmen Sie sich etwas Zeit zur Beantwortung dieser Fragen und kommen Sie damit Ihren persönlichen Grenzen auf die Spur. Achten Sie auch im Alltag auf möglichst tägliche die Befriedigung Ihrer Grundbedürfnisse. Die Begleitung im Coaching hat sich hierfür als äußerst hilfreich erwiesen.

Quellen:  

  • Die Bibel. Übersetzung nach E. Schlachter (2000). Altes Testament. 5. Mose, Kapitel 8 Vers 3

      Grawe, K. (2000). Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe.

            

  • Klaus-Grawe-Institut für Psychologische Therapie, Grossmünsterplatz 1, 8001 Zürich

2019 Vida Alegria  - Alkoholentzug, Alkoholentwöhnung, Alkoholtherapie, Burnout-Hilfe

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